Fortschritte bei der Behandlung von Querschnittslähmung
(Karlsbad, 26.10.2007) Innerhalb von 30 Jahren wurde die Versorgung querschnittsgelähmter Patienten revolutioniert und die aktuelle Forschung weckt weitere Hoffnung
Unfälle oder Erkrankungen des Rückenmarks sind die Auslöser einer Querschnittslähmung. Allein in Deutschland leben schätzungsweise 66.000 mit dieser Erkrankung. Und jedes Jahr kommen 1.800 neue Patienten dazu. Die Diagnose bedeutete vor 30 Jahren, für immer an den Rollstuhl gefesselt zu sein. Nicht behandelbar, war die einhellige Meinung. Heute können die Betroffenen aufgrund neuartiger Operationstechniken und Therapieformen zum Teil wieder einige Schritte gehen.
Die aktuelle Forschung beschäftigt sich damit, die Nervenfasern im Rückenmark zum Zusammenwachsen zu stimulieren, um verlorene Funktionen wieder herzustellen. An den Nogo-A-Antikörpern, die einen der wichtigsten Hemmstoffe bei der Regenerierung verletzter Rückenmarksfasern neutralisieren soll, forscht derzeit Prof. Dr. med. Volker Dietz vom Querschnittszentrum der Universitätsklinik Balgrist in Zürich. Prof. Dr. Jürgen Harms vom SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach ist an dem Projekt beteiligt. Beide Fachleute geben heute (26.10.07) zum 30 jährigen Jubiläum des Karlsbader Querschnittzentrums (Paraplegiologie) einen Einblick in ihre Arbeit und wagen einen Ausblick in die Zukunft.
Das Experten-Team der Karlsbader Paraplegiologie entwickelte neue operative und therapeutische Möglichkeiten für die Behandlung von Querschnittspatienten. Die Kombination von operativer Behandlung und gleichzeitiger Rehabilitation in einem Zentrum war in den 70er Jahren ein völlig neues Konzept, das sich bis heute bewährt hat. Für die ersten erfolgreichen Gehversuche querschnittsgelähmter Patienten sorgte die Erprobung der funktionellen Elektrostimulation Ende der 80er Jahre. „Ich kann wieder 20 Meter weit gehen, das ist für gesunde Menschen nicht viel, aber für mich ist das der Weg zu meinem Auto und damit zur Arbeit“, beschreibt ein Patient die Bedeutung dieses Fortschritts für seine Selbständigkeit. Als weltweit erste Klinik führte das SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach die moderne Therapie des Laufbandtrainings ein. Damit lernen viele Patienten wieder einige Schritte zu laufen.
Das Querschnittzentrum am SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach hat die Behandlung querschnittsgelähmter Menschen in den letzten drei Jahrzehnten entscheidend voran gebracht. Die Abteilung ist heute ein hoch spezialisiertes Zentrum mit modernster Ausstattung. Jährlich werden 2.000 Patienten aus Deutschland und aller Welt behandelt, von der Akutbehandlung nach einem Unfall bis zur lebenslangen Betreuung. Dabei arbeiten die Fachabteilungen des Klinikums eng zusammen: Die moderne Medizintechnik der Radiologie ermöglicht eine umfassende Diagnose. Im Wirbelsäulenzentrum, unter der Leitung des international renommierten Chirurgen, Prof. Dr. Jürgen Harms, können Eingriffe an der Wirbelsäule mit den neuesten Operationstechniken vorgenommen werden.
Viele weltweit verwendete Verfahren in der Behandlung von Wirbelsäulenschäden wurden von den Experten am SRH Klinikum entwickelt. "Der Ideenreichtum und die Innovationskraft der Mitarbeiter haben vielen hundert Patienten wieder neue Möglichkeiten und Perspektiven für ein selbstbestimmtes Leben eröffnet", dankte Prof. Klaus Hekking, Vorstandsvorsitzender der SRH, den Mitarbeitern des Querschnittzentrums aus Anlass des 30 jährigen Jubiläums.
Eine Querschnittslähmung vollständig zu heilen, bleibt vorerst ein Traum aller Patienten und Mediziner. Die Forschung ist auf dem Weg dorthin und wird auch zukünftig mit neuen Behandlungsmethoden die Lebensqualität querschnittsgelähmter Patienten verbessern.

